Junge Herzen schlagen höher

6.9913.90

  • Taschenbuch: 168 Seiten
  • Verlag: Himmelstürmer Verlag
  • Auflage: 1 (1. Oktober 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3934825605
  • ISBN-13: 978-3934825604
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Größe: 15 x 1 x 21 cm
  • Gewicht: 0.270 kg

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Artikelnummer: 978-3934825604 Kategorien: , , , Schlüsselworte: , , , Product ID: 4155

Beschreibung

Klaus und Chris sind ein Paar, einer Lehrer, der andere Kunsterzieher. Sie bieten Jugendlichen die Möglichkeit, sich im Malen auszuprobieren. Benny, Gerd, Philipp und Britta stellen erstmals erfolgreich ihre Bilder aus. Chris versucht in einem Konflikt zwischen seinem Schüler Philipp und dessen Vater, Stadtrat in der kleinen Stadt, zu vermitteln. Dieser lässt seine Beziehungen spielen, um Chris zu schädigen. Inzwischen erfährt Benny, dass Philipp, sein Freund, regelmäßig misshandelt wird und will ihm helfen.

Klaus ahnt, dass Chris sich in den sympathischen Benny verliebt hat und erinnert sich an eine schwierige Situation, als sie beide bei Künstlerfreunden in Griechenland waren, und befürchtet nun erneut den Bruch ihrer Partnerschaft. Chris plant mit seinen jungen Malern eine gemeinsame Studienreise an die Ostsee. Die Beziehung zwischen Benny und Chris wird immer stärker, wobei für Benny dies nur ein langsames Herantasten an sein Coming-out ist.

Nach ihrer erfolgreichen Reise versucht Chris, seine Studenten groß heraus zu bringen. Chris bekommt die Chance zu einer Ausstellung in einer bekannten Galerie. Jetzt setzt die Rache des Stadtrates ein. Klaus, Chriss Lebensgefährte, wird zur Eröffnung ausgeladen. Es kommt zum Eklat, den Bennys Vater als Journalist gut zu verkaufen weiß.

Benny nutzt diese offene Auseinandersetzung um seinerseits seinen Eltern klar zu machen, dass er sie, aber auch Jürgen liebt. Es kommt zum Bruch mit den Eltern, die diese Liebe nicht akzeptieren wollen. Benny schreibt in seiner Trauer ein Gedicht für Philipp, das seinen Freund in eine Katastrophe führt: Philipp wird vom Freund seiner Mutter missbraucht und will sich das Leben nehmen. Benny findet den Freund und will ihm helfen.

Es kommt erneut zum Streit mit den Eltern, der zum völligen Bruch führt. Nach Philipps Krankenhausaufenthalt trampen die beiden ziellos in den Süden und treffen auf zwei alte Damen, die ihnen helfen, wieder Ordnung in ihre Gedanken und Gefühle zu bringen.

 

Leseprobe aus: “Junge Herzen schlagen höher”

1. Kapitel

„Na, meine Herrschaften, ist nun bald Ruhe?“ Sichtlich genervt schaute Klaus Brinkmann in seine Klasse. Er hatte sie soeben erst übernommen. Noch sagten ihm die einzelnen Gesichter der Jugendlichen überhaupt nichts. Es war eine kleine Klasse, gerade richtig für einen jungen Referendar, so meinten es jedenfalls die Lehrerkollegen. Ob es eine kluge Entscheidung des Schulrates war, ihn gerade in eine „Neunte“ zu stecken, blieb dabei offen.

Ja, er mochte die jungen Leute in diesem Alter besonders, in ihrer Unbeholfenheit und ihrem unerschöpflichen Drang, die ganze Welt auf einmal zu verändern.

Klaus musste an seine eigene Schulzeit denken. War nicht gerade dieser Lebensabschnitt auch für ihn damals besonders aufregend und turbulent?

Damals hatte er sich das erste Mal verliebt, und ausgerechnet in einen Jungen! Dabei hatte sich Kerstin, ein von den anderen Jungs mächtig umschwärmtes Mädchen aus der Parallelklasse, besonders große Hoffnungen auf ihn gemacht. Ihretwegen hatten manche Klassenkammeraden nachts irre und feuchte Träume, nicht aber Klaus. In Gedanken daran musste Klaus lächeln. Es kam ihm vor, als wäre alles erst gestern gewesen:

Es war der erste Tag nach den großen Schulferien, der Tag mit der besonderen Atmosphäre des Neuanfangs. Chris war neu in die Klasse gekommen, ein Junge vom Dorf, schüchtern und ohne jegliche Erfahrungen, wie man sich gleich zu Beginn in einer neuen Klasse am besten ins rechte Licht rücken konnte, auch ohne diese typisch städtische Arroganz, die Klaus so hasste.

Als ihn der Klassenlehrer vor der Klasse vorstellte, stand Chris hilflos da und wusste nicht so recht, wo er mit den viel zu langen Armen und den großen Händen hin sollte. Er war groß und schlank und schaute jetzt verlegen, mit extrem rotem Kopf, auf den Boden. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn. Chris tat ihm echt leid. Klaus versuchte sich vorzustellen, wie er sich wohl jetzt in dessen Haut fühlen würde.
Für die Jungen war Chris nicht sonderlich interessant. Die Mädchen aber kicherten um so lauter und tuschelten sich gegenseitig ihre kritischen Bemerkungen in die Ohren, was Chris natürlich restlos verunsicherte. Der Neue amüsierte sie sichtlich.

„Naja, hoffen wir, dass wir gut miteinander auskommen werden“, hatte der Klassenlehrer die Vorstellung endlich beendet.

Chris bekam den Platz neben Klaus zugewiesen. Sichtlich erleichtert setzte er sich auf den harten Stuhl und begann umständlich, seine Bücher auf den Tisch zu legen. Er schaute seinen Platznachbarn dabei nicht an.

„So, wir haben Literatur, bitte mal die Bücher raus nehmen. Unsere Aufgabe war…“ Herr Schulze ließ einen Text aus „Tod in Venedig“ von Thomas Mann lesen.

Chris blätterte in seinem Buch herum und fand den genannten Absatz nicht. Sollte Klaus ihm jetzt helfen? Er schaute seinen Nachbarn von der Seite her an. Immer noch blätterte Chris hastig hin und her. Dann sah er hilflos zu Klaus hinüber. Es waren seine hellblauen, leuchtenden Augen, die Klaus sofort gefangen nahmen. Sie schienen ihn anzuflehen: „Nun, komm schon, hilf mir doch endlich!“ Klaus legte sein Buch in die Mitte und zeigte auf die Seitenzahl.

„Danke!“ Chris war sichtlich erleichtert.

„Nicht dafür“, gab Klaus zur Antwort.

Der Neue hatte ein schönes Gesicht. Seine dunklen Wimpern, die Augenbrauen, die sich in der Mitte fast nahtlos miteinander verbanden, ein kleines Grübchen auf der linken Wange, wenn er, wie jetzt, lächelte, all das fand Klaus sofort faszinierend. Er lächelte zurück. Doch, die beiden mochten sich vom ersten Augenblick an.

„Von Seite zweiundachtzig, dritter Absatz, lesen wir jetzt den Text …Yvonne, du beginnst bitte!“ Es war wieder der normale Schulalltag eingekehrt. An den Neuen dachte inzwischen niemand mehr, außer Klaus. Der schielte zu Chris hinüber, auf dessen schlanke Hände, die locker auf der Buchseite lagen. Sie waren gepflegt und zitterten noch ein wenig vor Aufregung. Wie weich die Haut aussah. Am liebsten hätte Klaus sie berührt, einfach so, vielleicht nur, um die Wärme zu spüren. Wie würde Chris wohl darauf reagieren?

Die Pausenglocke schreckte Klaus aus seinen Gedanken, große Pause, endlich. Sofort stürmten die Klassenkameraden auf den Schulhof. Chris legte langsam seine Hefte zur Seite und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, die Beine hatte er weit von sich gestreckt. Die Sonne schien voll ins Klassenzimmer.

„Willst du nicht mit raus? In der großen Pause darf niemand im Klassenraum bleiben. War das in deiner alten Schule nicht so?“, wollte Klaus wissen.

Widerwillig erhob sich Chris und ging wortlos hinter Klaus her durch den langen Flur, der nach irgendwas Unangenehmem roch. Komisch, dass diesen Räumen ständig ein so merkwürdiger Geruch anhängt.
Sie beide waren die letzten, die den Schulhof betraten. Draußen tobten einige kleinere Jungs miteinander herum, andere ärgerten Mädchen, die kreischend hinter ihnen her liefen, wieder andere standen in der Hofecke und rauchten.

„Seid wann wohnst du hier, ich hab dich noch nie in dieser Gegend gesehen?“

Klaus hatte sich rückwärts an den Zaun gelehnt und sein rechtes Bein angezogen. Er schaute Chris neugierig an und erfuhr von ihm, dass sie vor zwei Monaten hierher gezogen waren, er und sein Vater. Die Eltern lebten seit einem knappen Jahr getrennt. Nun wohnten sie am Rande der Stadt: „An der Wolfsschlucht Drei“, was immer das heißen mochte. Klaus kannte dieses Viertel überhaupt nicht. Achja, eine Zwillingsschwester hatte Chris, aber die lebte bei der Mutter.

„Kannst mich ja mal besuchen kommen, ich würde mich freuen“, fügte Chris zur Adresse hinzu.

„Klar, mach ich doch glatt.“

Die Pause war zu Ende, alles strömte dem Eingang zu, auch Klaus und Chris. Sie hatten noch eine Doppelstunde Mathe.

„Chris, bleib bitte noch eine Minute hier.“ Herr Schulze brauchte noch Daten fürs Klassenbuch. Klaus hatte sich extra viel Zeit gelassen, als er sein Fahrrad aus dem Untergestell holte. Als Chris immer noch nicht kam, radelte er nach Hause. Schade, er wäre noch gern etwas mit Chris zusammen geblieben.

Es war niemand im Haus, als Klaus die Haustür aufschloss. Die Eltern würden erst gegen Fünf von der Arbeit kommen. Klaus hatte sich die kleine Pizza, die Mutter auf den Tisch gelegt hatte, in die Mikrowelle geschoben und eine Cola aus dem Kühlschrank geangelt. Immer wieder waren seine Gedanken bei Chris. Er sah seine hellblauen Augen, die blonden Haare, das Lächeln. Was mochte der jetzt wohl machen? Komisch bei dem Gedanken an Chris wurde plötzlich sein Penis steinhart. Gut, das war ja nichts Außergewöhnliches, das passierte ihm ja jeden Tag mehrmals, aber in diesem Zusammenhang? Oder hatte das nichts damit zu tun? Klaus schüttelte leicht den Kopf. Was war nur los mit ihm?

Das Telefon hatte plötzlich in seine Gedanken hinein geklingelt. Kerstin wollte wissen, ob Klaus mit ihr und einigen Freunden zum Baden mitgehen würde. Er hatte keine Lust und erzählte ihr etwas von Hausaufgaben und anderen Verpflichtungen, denen er noch nachkommen müsse. Mann, warum kapierte die nicht, dass er nichts von ihr wollte? Andere Jungs wären sicher sofort auf sie geflogen, aber nicht er. Er hatte es ihr doch eigentlich schon deutlich genug zu verstehen gegeben. Warum war sie nur so schwer von Begriff? Naja, Weiber!

Klaus schaute nach draußen, die Sonne schien prächtig, obwohl für den Nachmittag Gewitter angesagt worden war. Nirgends war auch nur ein kleines Wölkchen am dunkelblauen Himmel zu sehen. Klar, eigentlich war das Wetter viel zu schade zum Drinnesitzen. Wie wäre es, wenn er jetzt zu Chris fahren würde? Er könnte doch mal sehen, wo die „Wolfsschlucht“ ist. Noch kauend angelte er sich das Telefonbuch und begann zu blättern. Mann, wie hieß Chris gleich noch mit Nachnamen? Er versuchte sich erfolglos daran zu erinnern. Es war irgendwas mit Müller, Meier, Schulze, oder war es Schneider? Er gab auf. Er würde einfach losfahren, und wenn Chris nicht daheim warm, war es ja auch nicht…

 

 

Über das Buch

Lehrer erleben in ihrer Schullaufbahn so manches Drama, auch Dramen um Schüler im Coming out oder Mißbrauchsgeschichten. Dieses Buch erzählt solche Geschichten und läßt den Leser nicht kalt. Der schwule Roman ist als Taschenbuch und Ebook im Buchshop des Bundeslurch Verlages im Bundesamt für magische Wesen in Bonn erhältlich.

Zusätzliche Information

Gewicht0.270 kg
Größe15 x 1 x 21 cm
erhältlich als

epub, mobi, pdf, Taschenbuch

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